Authentische Quartierskonzepte: FuP auf dem Heuer Immobilien-Dialog in Mainz

Immo-Dialog_06-05-2015 Welche Potenziale bietet die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz? Dieser Frage widmete sich der Heuer Immobilien-Dialog Anfang Mai. Zahlreiche Experten diskutierten über die Entwicklungschancen, aber auch die strukturellen Herausforderungen der jungen „Schwarmstadt” Mainz. Unter ihnen war auch FuP-Berater Christopher Martin, der eine Diskussionsrunde zum Thema „Lebensqualität” als wichtigem Standortfaktor moderierte. Seine Gesprächspartner, der Mainzer Bürgermeister Günter Beck, Citymarketing-Chef August Moderer sowie Stephan Gubi, der für die BEOS AG die Alte Waggonfabrik betreut, verdeutlichten die Stärken der Rhein-Metropole: eine breite Kulturlandschaft, zahlreiche Konzerte und Feste sowie attraktive Kongress-Locations und ein frisches urbanes Gefühl.

Viele Herausforderungen für Mainz
Ähnlich wie andere Schwarmstädte steht auch Mainz vor vielen Herausforderungen: Hohe Studentenzahlen, gute Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten sowie eine große Dichte von Innovation und Forschung, führen zu einem enormen Sog in die innerstädtischen Lagen. In den letzten fünf Jahren ist Mainz um 10.000 Einwohner gewachsen. Die Folge sind Wohnungsknappheit und steigende Mieten. Gerade in Mainz ist Bauland knapp, die Stadt bereits sehr verdichtet. Die Baukosten sind in den vergangenen zehn Jahren um 47 Prozent gestiegen, zu Lasten der Käufer und Mieter. Zusätzlichen verschärfen Energievorschriften, Stellplatzsatzungen, Bodenrichtwerte, Grundsteuern und Steigerungen bei der „Zweiten Miete“ – also den Nebenkosten – die Situation auf dem angespannten Wohnungsmarkt. Um dem entgegenzuwirken, sollen in Mainz 6.500 Wohnungen bis zum Jahr 2020 gebaut werden.

Waren früher Lage und Preis die ausschlaggebenden Kriterien bei der Wohnungssuche, sind die Anforderungen an neue Wohnungen und Quartiere in den letzten Jahren gestiegen. Mieter und Käufer richten ihren Blick nicht mehr nur auf die eigenen vier Wände. Freizeitaktivitäten, kulturelle und gastronomische Angebote sowie grüne Rückzugsorte sind heute mindestens ebenso wichtig bei der Wahl eines neuen Lebensmittelpunktes. Bei neuen Wohnquartieren kommt es demnach nicht allein auf bezahlbaren Wohnraum an und eine gute Lage an, sondern auch darauf, langfristig attraktive, lebendige und urbane Quartiere zu gestalten.

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Authentizität bei Quartieren ist entscheidend
„Lebendigkeit“ bedeutet in diesem Zusammenhang vorrangig die generelle Akzeptanz eines Viertels durch seine Bewohner. Die „Abstimmung mit den Füßen“ in Geschäften, Gastronomie und öffentlichem Raum ist dabei ebenso sehr ein Messwert wie die Wahrnehmung des Quartiers im städtischen Gesamtkonzept. Bei der Kommunikation und Begleitung neu entstehender Quartiere ist deshalb der Gedanke der Authentizität entscheidend. Virtuelle Welten mit bunten Bildern tragen dazu bei, sich das Leben im späteren Eigenheim oder der Mietwohnung vorstellen zu können; klaffen gelebte Wirklichkeit und werbliche Kreation aber zu weit auseinander, verliert das Quartier schnell an Glaubwürdigkeit. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise ein 1.200 Einheiten umfassendes Wohnquartier in Wolfsburg mit begleitet, bei dem genau diese Faktoren eine wichtige Rolle spielten. Die Herausforderung: Der zu findende Name sollte sowohl Co-Investoren für das Projekt gewinnen, als auch für die Dauer der Vermarktungsphase funktionieren. Und nicht zuletzt sollte er den späteren Bewohnern leicht über die Lippen kommen – ein Anspruch, der in Zeiten stetig wachsender Anglizismen in der Projektentwicklung ganz bewusst gestellt war. Mit dem Branding als „Steimker Gärten“ konnten wir in diesem Fall eine authentische Quartiersidentität vorbereiten. Der Name stellt einen Bezug zu dem angrenzenden, seit vielen Jahren etablierten Quartier „Steimker Berg“ her und verweist gleichzeitig auf das künftige Lebensgefühl: Wohnen im Grünen, nachbarschaftlicher Austausch in einer lebendigen Umgebung und eine insgesamt sehr attraktive Lage.

Transparente und abgestimmte Kommunikationsstrategien
Das Mainzer Beispiel zeigt: Die Identität von Quartieren und eine offene, mit allen Beteiligten abgestimmte Kommunikationsstrategie, werden immer wichtiger. Wir erleben das gerade „live“ in der Bürostadt Niederrad. Dort begleiten wir mit einer Standort-Initiative die Wandlung zu einem gemischt genutzten Wohn- und Büroquartier. Das Image allein mit bunten Bildern ankurbeln zu wollen, ist Wunschdenken. Wichtig sind eine koordinierte Kommunikation zwischen allen beteiligten Entwicklern und Unternehmen, der Stadtplanung und der Wirtschaftsförderung, sowie konkrete Aktionen, die ganz klar zeigen: „Hier tut sich was!“. Gerade diese Impulse sind auch bei der Entstehung neuer Quartiere wichtig, um von Anfang an die Akzeptanz zu gewährleisten. Im Falle von Nachverdichtungen innerhalb bestehender Strukturen gilt es wiederum, eine Vernetzung herzustellen zwischen „alt“ und „neu“ – eine Aufgabe, die neben der Planung auch immer stärker einer aktiven und gesteuerten Kommunikation bedarf.

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