Digitale Barrierefreiheit: App „MindTags“ erleichtert Blinden die Navigation in Gebäuden

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Wer schon einmal in großen Behördenzentren unterwegs war, kennt die Herausforderung, den richtigen Sachbearbeiter im richtigen Flur zu finden. Für die rund 1,2 Millionen Blinden und Sehbehinderten in Deutschland wird dies zur schier unlösbaren Aufgabe. Eine neue App, kombiniert mit Funksensoren in Gebäuden, soll hier Abhilfe schaffen: „MindTags“ ist ein mobiles Informations- und Leitsystem, das bequem vom Smartphone aus bedienbar ist. Entwickelt von dem selbst sehbehinderten Erich Thurner, CEO der Berliner MindTags GmbH, bringt es Gebäude „zum Sprechen“. Mithilfe von QR-Codes, Bluetooth Beacons, NFC-Chips (Near Field Communication) oder GPS lotst die App Benutzer durch Gebäude und bringt sie per Sprachausgabe ans Ziel. Auch Gehörlose profitieren von der neuen Technik: In Videos mit Gebärdensprache erhalten sie Wegbeschreibungen und andere relevante Informationen zum jeweiligen Gebäude.

Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte unterstützt MindTags GmbH
„MindTags versetzt Blinde und Sehbehinderte in die Lage, eigenständig durch Gebäude zu gehen. Sie erhalten damit ein wichtiges Stück Freiheit und Selbstbestimmung“, erklärt Erich Thurner bei einer Präsentation der App in der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Die Stiftung hat ihre Räume mit Sensoren und QR-Codes ausgestattet, um Besuchern die Orientierung zu erleichtern. Ein erstes positives Feedback von Besuchern und Mitarbeitern zeigt Erich Thurner, dass seine Idee den richtigen Nerv getroffen hat. „Wir möchten mit MindTags gerne auch in Theatern und Restaurants vertreten sein. So muss ich mir zum Beispiel keine komplette Speisekarte mehr vorlesen lassen und kann mich über alles selbst informieren. Toll wäre auch, wenn ich das Programm eines Theaters bereits beim Betreten vorgelesen bekomme. Auch dass ich für Behördengänge niemanden mehr an meiner Seite brauche, schafft ein Stück Selbstverwirklichung.“

Wunsch an die Immobilienbranche
Einen Wunsch an die Akteure der Immobilienwirtschaft hat Erich Thurner ebenfalls im Gepäck:
„Ich wünsche mir, dass Architekten, Stadtplaner und Projektentwickler die Interessen von blinden und sehbehinderten Menschen mitbedenken, wenn sie Quartiere planen und umsetzen. Dank neuer Technologien wie den Bluetooth-Beacons, die viele schon aus dem Shoppingcenter-Bereich kennen, lässt sich auch für Menschen mit Einschränkungen das Leben stark vereinfachen.“

Weitere Informationen zur App MindTags und ihren Einsatzmöglichkeiten finden Sie hier:
www.mindtags.net

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