Frankfurter Immobilien-Kolloquium: Vom Geist des Aufbruchs

Gewerbeflächen

Die Zukunft der Frankfurter Gewerbeimmobilien
Mit einer Quote von rund 15 Prozent ist Frankfurt die Leerstandshauptstadt Deutschlands. Fünf Prozent gelten als normal. Kein Wunder, dass die Mieten seit Jahren stagnieren und höhere Mieten von mehr als 40 Euro nur selten erzielt werden. Doch die Branche zeigt sich davon unbeeindruckt. Nach wie vor wird, vor allem in zentralen Lagen, weiterhin fleißig gebaut, sagte Professor Dr. Tobias Just von der Universität Regensburg, Geschäftsführer der Immobilienakademie IREBS, kürzlich beim Immobilien-Kolloquium der IHK Frankfurt am Main.

Ursachen für die anhaltenden Leerstände sind laut Just Langzeitwirkungen der IT-Blase und die Finanzkrise. Vor diesem Hintergrund flüchteten die meisten Investoren in die als sicher geltenden Core-Immobilien. Der demografische Wandel werde sich hingegen erst langfristig und weniger auf Rhein-Main auswirken, weil die Region Wanderungsgewinnerin sei. Neue Technologien in den Bereichen IT und Energie ließen die Gebäude schneller altern und trügen dazu bei, dass Büromieter gerne in modernere Gebäude umzögen. Auch die Tendenz, Büroraum besser auszunutzen, sei ein Grund für Umzüge nach kurzer Zeit. Einen weiteren Grund sieht Professor Just in gesellschaftlichen Veränderungen. So bevorzugten Menschen inzwischen kürzere Anfahrtswege zum Arbeitsplatz als in der Vergangenheit. Eine wichtige Klammer für die Qualität eines Standorts sei das Zusammenführen von Büro, Einzelhandel und Wohnen.

Auch Bernhard Hansen, Vorstand Development der CA Immo Deutschland GmbH, sieht einen Trend zum Zusammenrücken von Arbeiten, Wohnen und Freizeit. Hansen sieht aber auch in der Mentalität der Frankfurter Business Community eine Ursache des Leerstands. Die Frankfurter wollten immer die modernsten Flächen, Standorttreue sei ein Fremdwort und das führe zu einer „Kannibalisierung“.

Bei allen Versuchen, veraltete Bürogebäude zu revitalisieren, sei das größte Problem die Kosten im Zaum zu behalten. Ein gutes Beispiel hierfür sei die Bürostadt Niederrad. „Niederrad wird eine der größten Herausforderungen für periphere Lagen sein“, so Professor Just. Ein Problem für Altimmobilien sei der zu geringe Abstand zu Spitzenmieten in moderneren Gebäuden in besseren Lagen.

Wie aber kann revitalisiert werden? Architekt Stefan Forster aus Frankfurt hat mit der Umwandlung eines kleinen Büroturms in ein Boardinghouse (Lyonerstraße 19 in der Bürostadt Niederrad) gezeigt, wie es geht. Der Vorteil: Forster und Projektentwickler Günter Hägele konnten eine genehmigte Fläche nutzen und damit Zeit sparen. Das geht nicht immer. Oft sei Abriss die bessere Lösung, sagte Forster. Abriss sei zwar oft die schnellere, nicht aber immer die bessere Lösung, konterte Dr. Philipp Feldmann, Partner der Revikon GmbH aus Gießen. Bei manchen Lagen sei ein Abriss teurer als der Bodenwert. Hier könnte eine Nachvermietung zu niedrigen Preisen die wirtschaftlich sinnvollere Lösung sein. Dies verringert auch Reibungsverluste, etwa mit Bürgerinitiativen, wie sie Architekt Forster immer häufiger zu erkennen glaubt: „Liebhaber der Zauneidechse, die eine Konversion verzögern“.

Positive Tendenzen kommen nach Meinung von Professor Just aus der Globalisierung. So würden mit wachsender Liberalisierung des chinesischen Bankensektors immer mehr chinesische Banken den Weg nach Deutschland und damit nach Frankfurt finden, „und die brauchen Büros“. Aber auch die Psychologie lässt manche Developer-Träume blühen. Diese Erfahrung hat zumindest Harald Ortner, Geschäftsführer der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft HBB aus Hamburg in Hanau, gemacht. „Wenn man den Geist des Aufbruchs auf andere überträgt, dann kann man erfolgreich investieren“. Konfuzius hätte es wohl nicht besser sagen können.

Ihr

Detlef Hans Franke

Ein Kommentar zu „Frankfurter Immobilien-Kolloquium: Vom Geist des Aufbruchs

  1. Jack

    Mich wundert, dass in Düsseldorf so viel nachgebaut wird, obwohl große Teile der Büroflächen in prominenter Lage am Hafen leer stehen. Angeblich geringe Leerstandsquote, die sich allerdings mit den Beobachtungen, die auf einem kurzen Bummel durch den Hafen gemacht werden können nicht deckt. Vielleicht auch wieder eine Frage, wer die Statistik angefertigt hat und mit welchem Ziel?

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