Gewerbeimmobilientag des BFW: Die Trends der Branche und ein erfolgreiches Konversionsprojekt

DHF

Wie entwickelt sich der Gewerbeimmobilienmarkt in Frankfurt? Wohin steuert der Hotelmarkt der Stadt? Und was bedeuten diese Rahmenbedingungen für Investoren? Diese Fragen standen beim ersten hessischen Gewerbeimmobilientag des BFW im Mittelpunkt. Branchenexperten stellten aktuelle Trends vor, daneben wurden rechtliche und finanzielle Aspekte in den Mittelpunkt gerückt. Ganz konkret wurde es aber auch: Detlef Hans Franke, Geschäftsführer von FuP und einer der Gründer der Standort-Initiative Neues Niederrad e.V. (SINN), stellte die Bürostadt Niederrad vor, ein inzwischen international beachtetes Konversionsprojekt.

Frankfurt ist derzeit ein stabiler Markt für Gewerbeimmobilien. So lassen sich die aktuellen Zahlen, die Silvia Wuchenauer, Projektleiterin bei der bulwiengesa AG, den rund 100 Fachleuten vorstellte, zusammenfassen. Denn die Mietpreise sind stabil, durchschnittlich liegen sie bei 18,90 Euro pro Quadratmeter. In der Spitze werden 35,50 Euro fällig, womit Frankfurt die Top-Sieben der deutschen Städte anführt. Zuletzt ging der Flächenumsatz in Frankfurt zwar zurück, doch der Leerstandsabbau setzte sich fort, nicht zuletzt durch die Konversion von Büros zu Wohnungen. Aktuell liegt der Leerstand bei rund 11 Prozent. Für das Gros der Flächenumsätze der Region sorgen hauptsächlich die Städte Eschborn, Neu-Isenburg und Bad Homburg. Auch Offenbach wird zunehmend attraktiv. Grund dafür sind die dortigen, niedrigen Gewerbesteuersätze und die gute Erreichbarkeit des Flughafens.

Hotelmarkt im Aufschwung
„Das Bessere ist der Tod des Guten“, so fasste Stefanie Zimmermanns von der Hotel Affairs Consulting GmbH knapp zusammen, welcher Mechanismus in den kommenden Jahren den Hotelmarkt in Frankfurt bestimmen wird. Sie stellte aktuelle Zahlen zu Ankünften, Übernachtungen und den (neuen) Hotels in Frankfurt vor. Generell ist Frankfurt eine aufstrebende touristische Destination: Die Zahl der Übernachtungen stieg in den letzten 10 Jahren um 65, die der Ankünfte um 70 Prozent. Knapp die Hälfte der Gäste kommt aus dem Ausland, vorrangig den USA, Großbritannien und China. Die verfügbaren Zimmer sind zu 70 Prozent ausgelastet, durchschnittlich kosten sie 110 Euro.

Bestimmt wird der Frankfurter Hotelmarkt von der Markenhotelerie mit einem Marktanteil von 82 Prozent. In den kommenden drei Jahren wachse das Angebot um 16,7 Prozent, das seien rund 5.300 Zimmer, erläuterte Stefanie Zimmermanns. Neben der Attraktivität für Touristen sind Frankfurts Rolle als internationaler Finanzplatz und europäischer Verkehrsknotenpunkt, die Messe und die hohen Zimmerdurchschnittsraten, die sich aufgrund vieler ausländischer Gäste erzielen lassen, Gründe für die umfangreichen Investments.

Bestimmt wird der Hotelmarkt auch in Frankfurt durch die generellen Trends der Branche: Individualität, auch in Form von Themenhotels, die Polarisierung zwischen Budget und Luxus sowie Wellness sind hier die Schlagworte. Gleichzeitig liegen Städte- und Kulturreisen weiter im Trend. Deutschland ist zudem ein klassischer Hotspot für Tagungen und Konferenzen. Auch hybride Konzepte, die Hotels mit Wohnen und Einkaufen in einem Gebäude verbinden, sind im Kommen. Das hat zur Folge, dass insbesondere in Städten wie Frankfurt ein Verdrängungswettbewerb entsteht, der alteingesessene Individualisten hart treffen wird. Denn die sind nur gut, nicht „besser“.

Jost Ehrmann von der Allianz Lebensversicherungs AG betrachtete die Entwicklungen aus dem Blickwinkel eines Finanzierers von Gewerbeimmobilienprojekten: Deren Konzepte müssen sich an langen Investitionszyklen messen lassen. Neue Ideen sind willkommen, sollten aber langfristig tragfähig sein.

Bürostadt im Wandel
Wie sich ein Frankfurter Quartier ganz konkret verändert, stellte FuP-Geschäftsführer Detlef Hans Franke den Fachleuten vor: Die Bürostadt Niederrad wandelt sich vom monostrukturellen Gewerbestandort zu einem gemischten Quartier. Wohin die Entwicklung in naher Zukunft führen kann, machte Franke anhand von Prognosen deutlich: Etwa 10.000 Einwohner wird die Bürostadt Niederrad nach aktuellen Planungen einmal haben, weit mehr als die ursprünglich angedachten 6.000. Zu den Büros zahlreicher namhafter Firmen, wie beispielsweise Nestlé oder die WISAG, kommen vermehrt neue Wohngebäude und zu Wohnungen umgewandelte Bürogebäude hinzu, die ebenso wie die Gewerbeflächen von den Vorzügen des Quartiers profitieren. So entstehen Synergien aus Wohnen und Gewerbe, die das Konversionsprojekt nachhaltig erfolgreich machen können.

Franke hob hervor, warum das Viertel ein attraktiver Wohn- und Geschäftsstandort ist: Die gute Lage im Südwesten der Stadt, zwischen Flughafen und City, sorgt für eine günstige Verkehrsanbindung. Der Zuschnitt, der an einen Campus erinnert, schafft eine klare Begrenzung des Viertels und lockt mit vielen Grünflächen. Nicht zuletzt spricht die Internationalität für die Bürostadt. Zahlen belegen die positive Entwicklung: Die Leerstandsquote von Büroflächen sank von knapp 35 in fünf Jahren auf unter 20 Prozent. Die durchschnittlichen Mietpreise stiegen zwischen 2011 und 2015 moderat von etwa 10,50 Euro auf knapp 12,50 Euro.

Die Standort-Initiative Neues Niederrad e.V. (SINN) versteht sich als Moderator dieser Entwicklung und treibt verschiedene Themen voran, um das volle Potenzial des Konversionsprojektes auszuschöpfen: Attraktive Ortseingänge, eine gute Verkehrsführung und ein lebendiger Quartiersplatz stehen auf der Agenda der Initiative, ebenso wie Schulen im Quartier und ein neuer Name, der dem Wandel Rechnung trägt. Die Projekte der SINN reichen von Veranstaltungen im Quartier, wie Rundgängen mit Ortspolitikern, bis hin zum Dialog mit den Fachleuten der Immobilienbranche.

Der erste hessische Gewerbeimmobilientag fand am 13. April in den Räumen des Frankfurter Messeturms statt. Zum fachlichen Austausch über die Entwicklungen des Gewerbeimmobilienmarktes in Frankfurt und der Rhein-Main-Region hatten der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V. (BFW) und sein Landesverband für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland eingeladen.

Kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>