Neue Folge der 2. FuP Immo-Novela

Teil II: Insolvenzplan-Verfahren

Meine Tischmanieren hatten in Berlin offenbar nicht zu wünschen übrig gelassen, meine Fragen und Anmerkungen zur Lage des Unternehmens offenbar auch nicht. Ich hatte den Job und schon einen Tag später ging es im Berliner Büro des Unternehmens los.

Die Insolvenz eines Unternehmens wurde in Deutschland von jeher mit dessen Ende gleichgesetzt. Wenn ein Unternehmen pleite ist, dann hört es auf zu existieren. Die Maschinen stehen still, die Beschäftigten werden arbeitslos, die Gläubiger bleiben auf ihren Forderungen sitzen. Als Ursache galt fast immer das persönliche Versagen der Unternehmensführung. Politik und Recht folgten dieser Haltung lange Zeit. Nach einer Pleite wurde die Unternehmensführung entmachtet und die Verantwortung in die Hände eines Insolvenzverwalters gegeben, bei dem es sich fast immer um einen Rechtsanwalt handelte. Niemand fragte sich, was ein Rechtsanwalt von Unternehmensführung verstand. In der Regel nichts.

Doch darum ging es auch nicht. Aufgabe des Rechtsanwaltes war es vor allem, die Gläubiger zu schützen und aus dem, was von dem Unternehmen übrig geblieben war, möglichst viel für die Gläubiger herauszuholen. Dieses Vorgehen erinnert an das Bild von der Kuh, die krank geworden ist und nicht mehr so viel Milch liefert, wie der Bauer der Molkerei zugesichert hat. Daraufhin lässt die Molkerei die Kuh schlachten und verkauft das Fleisch, um wenigstens noch ein letztes Mal etwas davon zu haben. Was aber wäre gewesen, hätte man den Tierarzt geholt? Die Kuh wäre vielleicht wieder gesund geworden und imstande noch viele Jahre lang Milch zu liefern.

In manchen anderen Ländern geht man mit Firmenpleiten gänzlich anders um. In den USA zum Beispiel. Wenn dort ein Unternehmen wegen Zahlungsschwierigkeiten „Gläubigerschutz“ beantragte, dann bedeutet dies, die Firma bittet den Staat um Unterstützung gegen die Gläubiger. Was so gar nicht unserem Gerechtigkeitssinn entspricht hat einen simplen Grund: wenn das Unternehmen seine Schulden gestundet bekommt oder man sich auf einen Schuldenschnitt einigt – wie Beispielsweise in anderem Zusammenhang bei der griechischen Schuldenkrise zu beobachten – dann kann es sich möglicherweise aus eigener Kraft berappeln und weiter existieren.

Das Ergebnis wäre für alle Beteiligten besser als eine Pleite mit anschließender Zerschlagung des Unternehmens: Ein Teil der Beschäftigten behielte den Arbeitsplatz, der Stadt oder Region bliebe ein Gewerbesteuerzahler erhalten und die Gläubiger erhielten möglicherweise mehr Geld, weil das Unternehmen aus eigener Kraft Schulden abbezahlen kann. Diese Erkenntnis hatte um das Jahr 2000 die Politik dazu veranlasst, das „Insolvenzplan-Verfahren“ in das deutsche Insolvenzrecht aufzunehmen, das in den darauffolgenden zwei Jahren aber noch in keiner größeren Insolvenz angewandt worden war.

Ist ein solches Insolvenz-Planverfahren nützlich oder eher schädlich für eine PR-Strategie? Was glauben Sie? Wie es weiter ging und was ich getan habe und, lesen Sie im nächsten Teil unserer zweiten Immo-Novela „Der (Bau-)Stoff, aus dem die Träume sind“.

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