Neue Folge der Immo-Novela

Teil IV: Die erste Medienaktion

Für den operativen Teil der Arbeit holte ich mir Unterstützung aus unserem Frankfurter Büro. Unser erstes Ziel war die Formulierung der zentralen Grundpositionen: 1. Die AG hat Insolvenz angemeldet. 2. Der Vorstand strebt ein Insolvenzplan-Verfahren an. 3. Dadurch soll der Kern des Unternehmens und damit möglichst viele Niederlassungen und Arbeitsplätze gerettet werden. 4. Ursache der Insolvenz war die Entscheidung der Leitbanken, einem in der Substanz gesunden Unternehmen die Kreditlinien zu kappen.

Mit der Ankündigung eines Insolvenz-Planverfahrens hatten wir neben der Insolvenz an sich unser zentrales Wunschthema in den Medien platziert, bevor Gläubiger, Politiker oder Gegner eine Zerschlagung fordern konnten. Mit dem Ziel, den Kern des Unternehmens zu retten, um dadurch möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, hatten wir Gewerkschaften, Betriebsräten und Politikern ein Angebot gemacht, das eigentlich niemand ablehnen konnte. Außerdem hatten wir lange mit dem Vorstand darüber diskutiert, ob es sinnvoll und hilfreich sein könnte, die Politik um Hilfe, zum Beispiel in Form einer Ausfallbürgschaft, zu bitten. Wir entschieden dies nicht zu tun, weil uns die Erfolgsaussichten zu gering erschienen. Mit dem vierten Punkt schließlich hatten wir einen Verantwortlichen für die Misere geliefert: die Leitbanken.

Lassen Sie mich an dieser Stelle vorausschicken, dass wir diese vier Positionen während des kompletten Projektzeitraumes beibehalten haben. Jeder, der mit dem Thema zu tun hatte, kannte unsere Haltung. Wir schrieben diese Positionen in die Briefe an die Belegschaft und die Betriebsräte, an Lieferanten und Geschäftspartner, an Banken, Abgeordnete, Bürgermeister, Parteien, Verbände, Kirchen und in unseren Pressemitteilungen an die Journalisten. Wir formulierten diese vier Punkte vor den Fernsehkameras, sprachen sie in jedes Mikrofon und bei jedem Interview. Wir blieben während der gesamten Krise bei unserer Haltung und wiederholten sie unermüdlich.

Genauer gesagt, ich wiederholte sie unermüdlich, denn die Vorstände und vor allem der Vorstandsvorsitzende hatten mit dem operativen Geschäft alle Hände voll zu tun. Das war auch der Grund, weshalb ich den Vorstandsvorsitzenden irgendwann einmal um ein Vier-Augen-Gespräch bat. Wir trafen uns zum Abendessen, in dessen Verlauf ich ihm klar machte, dass wir gegenüber den Medien schneller reagieren müssten, als dies bisher wegen seiner vielen Termine möglich war. „Sie haben freie Hand. Betrachten Sie sich als so etwas wie einen Interims-Vorstand für Kommunikation“.

Das mit dieser Aussage verbundene Vertrauen ehrte mich nicht nur, es gab mir von diesem Zeitpunkt an auch umfassende Möglichkeiten einer aktiven und selbstständigen Medienarbeit. Wie ich die genutzt habe, lesen Sie im nächsten Teil unserer zweiten Immo-Novela „Der (Bau-)Stoff, aus dem die Träume sind“.

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