Neue Folge der Immo-Novela

Teil V: Deals mit der Presse

Am Dienstag nach Ostern brach, wie erwartet, der Sturm los. Alle Medien wollten wissen, was los ist, und wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Wir hatten uns während der Osterfeiertage darauf bestens vorbereitet. So wussten wir, mit welchen Medien das Unternehmen in der Vergangenheit wie zu tun hatte und wir stellten die Ansprechpartner von Medien zusammen, die jetzt auf uns zukommen würden. Außerdem versuchten wir herauszubekommen, welche Journalisten womöglich kritisch, neutral oder positiv über uns berichten würden.

Um jede einzelne Niederlassung wurde gerungen. Mal war es der örtliche Betriebsrat, ein anderes Mal die örtliche Geschäftsleitung, die versuchte, das jeweils Beste für sich herauszuschlagen. Mal ging es um Abfindungen, das andere Mal um den Preis und die Rahmenbedingungen für ein Management Buy Out durch die lokale Geschäftsführung. Und immer war neben den großen Wirtschaftsredaktionen auch die Lokalpresse eingebunden, und die war bisweilen recht gut informiert. So wurden wir unter anderem mit Anrufen von Presseleuten konfrontiert, die lediglich bestätigt haben wollten, ob diese oder jene Niederlassung dicht macht, verkauft wird oder ähnliches. Wo solche Berichte unsere Verhandlungsbasis gegenüber Banken und Gläubigern geschwächt hätte, versuchten wir den einen oder anderen Deal. Zum Beispiel boten wir exklusive Zusatzinformationen an, wenn der Bericht ein oder zwei Tage zurückgehalten wurde, was meistens sehr gut klappte.

Vor allem regionale Radiostationen aus Bundesländern, in denen das Unternehmen über eine oder mehrere Niederlassungen verfügte, interessierten sich immer dann für uns, wenn eine Lokalzeitung größer berichtete oder ein neuer Sachstandsbericht über dpa verbreitet wurde. Bei öffentlich-rechtlichen Sendern waren dies zumeist Live-Interviews, bei Privatsendern wurden sie aufgezeichnet. Fernsehinterviews ließ ich grundsätzlich den Vorstandsvorsitzenden machen, ich kann mich aber nur an wenige Radiointerviews erinnern, die er gegeben hat. Meist war er gerade in einer Sitzung oder anderweitig verhindert. Weil es uns aber darum ging, unsere Position so oft wie möglich zu verbreiten, ging ich in die Bütt. Dabei hat mir sehr geholfen, dass ich jahrelang als Radioredakteur und Radiomoderator selbst Interviews geführt hatte und damit wusste, was erwartet wurde.

Ob Sie es glauben oder nicht, ich bekomme noch heute Anrufe von wildfremden Menschen auf mein Mobiltelefon im Zusammenhang mit diesem Beratungsprojekt. Warum, das erzähle ich Ihnen im nächsten Teil unserer zweiten Immo-Novela „Der (Bau-)Stoff, aus dem die Träume sind“.

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