Neue Folge der Immo-Novela

Teil III: Osterüberraschung

Der Vorstand hatte sich also vorgenommen, das damals noch recht neue Instrument des Insolvenz-Planverfahrens zu nutzen, um seine Ziele zu erreichen. Wie gesagt, es ging darum, möglichst viele Niederlassungen und damit auch Arbeitsplätze zu erhalten. Das Insolvenzplan-Verfahren beließ die Unternehmensführung unter der Aufsicht eines Insolvenzverwalters an der Firmenspitze.

Leider konnte der Vorstand nicht selbst entscheiden, ob ein Insolvenzplan-Verfahren in Gang gesetzt oder das Unternehmen nach alter Väter Sitte schlichtweg filetiert und scheibchenweise verkauft wird. Dafür galt es die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Mit Formularen und Anträgen beim Amtsgericht war es allerdings nicht getan und da kam ich ins Spiel. Wie immer in der Krisen-PR kommt es darauf an, Zeitpunkt, Ort und Inhalt des Themas selbst zu bestimmen. Es konnte uns also überhaupt nicht daran gelegen sein, wenn aus irgendeiner Ecke des weitverzweigten Handelshauses Informationen vorzeitig an die Medien weitergegeben worden wären.

Die Osterfeiertage kamen uns zu Hilfe. Am Mittwoch vor Gründonnerstag warf ein Mitarbeiter des Unternehmens beim zuständigen Amtsgericht in Berlin den Insolvenzantrag in den Briefkasten. Damit war der Vorstand rechtlich auf der sicheren Seite. Für unsere Kommunikationsstrategie waren die bevorstehenden Feiertage wiederum Gold wert. Wir hatten die Möglichkeit, am Gründonnerstag unsere Sicht der Dinge in einer schriftlichen Presseerklärung über die Medien breit zu streuen. Diese Pressemitteilung würde in der Samstagausgabe der Zeitungen veröffentlicht. Kritische Stellungnahmen brauchten wir nicht zu befürchten, waren doch spätestens am Abend des Gründonnerstags alle möglichen Kritiker oder Gegner in die Osterfeiertage entschwunden und für die Medien unerreichbar.

Was hätten Sie als PR-Berater in die Pressemitteilung geschrieben? Was drin stand und wie es weiter ging, lesen Sie im nächsten Teil unserer zweiten Immo-Novela „Der (Bau-)Stoff, aus dem die Träume sind“.

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