Neue Wohnungen, unzufriedene Nachbarschaft – muss das sein?

moving house

Im Frankfurter Gallus-Viertel entstehen knapp 900 neue Wohnungen. Architekten und Projektentwickler präsentierten ihre Bauvorhaben am Dienstag in einer Bürgerversammlung des Ortsbeirates I. Anscheinend ist an alles gedacht: Tiefgarage, Kindertagesstätte, Grün, Bewohnermix und barrierefreie Wohnungen. Und dennoch stehen einige Anwohner den geplanten Projekten im Gallus kritisch gegenüber: Entstehen hier Luxuswohnungen? Treiben die neuen Nachbarn die Mietpreise weiter nach oben? Reichen die vorgesehenen Parkplätze? Das sind die Fragen und Vorbehalte, die immer wieder geäußert werden.

Bürgerbeteiligung und die Frage, wie die Bürger besser an Planungs- und Gestaltungsprozessen ihrer Stadt mitwirken können, standen am Mittwochabend auch im Mittelpunkt der Diskussion des MedienMittwochs im Frankfurter Römer.
Wann und vor allem wie sollten also Projektentwickler ihre Bauvorhaben kommunizieren? Wie können sie die Nachbarschaft für ihr Projekt gewinnen? Wie schaffen sie Akzeptanz und Wohlwollen für ihr Bauvorhaben? Das sind die Fragen, die uns angesichts der zunehmend engagierteren und kritischeren Bürgerschaft umtreiben.

Fest steht, so auch das Fazit der Diskussion des jüngsten MedienMittwoch in Frankfurt: Bürger fordern heute mehr Mitspracherecht ein, als dies früher der Fall war. Darauf müssen sich Projektentwickler, Politik und Verwaltung gleichermaßen einstellen. Bei den Instrumenten dagegen herrscht die Qual der Wahl. Welches passt, hängt stark vom Projekt ab – ein Allheilmittel gibt es nicht. Das A und O: so früh wie möglich umfassend informieren. Am besten im direkten Kontakt mit den Nachbarn, im zuständigen Ortsbeirat oder vielleicht auch in kleineren Informationsveranstaltungen, die eher einen Workshop-Charakter tragen und zum Beispiel nach Interessengruppen gegliedert sein können. Das schafft Nähe und auf Vorbehalte kann im kleinen Kreis unmittelbar reagiert werden. Empfehlenswert auch: so früh kommunizieren, dass Anregungen tatsächlich noch aufgenommen werden können. Nichts frustriert Bürger mehr, als über ein neues Projekt in ihrer Nachbarschaft nur noch informiert zu werden, aber keinerlei Einflussmöglichkeiten mehr zu haben. Dieter von Lüpke, Leiter des Frankfurter Stadtplanungsamtes machte dazu am Mittwochabend eine ganz wichtige Bemerkung: „Die Bürger haben einen ganzheitlichen Blickwinkel, der Lebenswelten und -wirklichkeiten abbildet.“ Davon können Projekte nur profitieren, denn Immobilien werden ja schließlich für Menschen gemacht. Sagen Sie also klar, was Sie vorhaben, in welchem Zeitrahmen und wo noch Gestaltungsspielräume sind. Eine wohlwollende Nachbarschaft wird Ihnen den Aufwand danken und wer sich in seiner neuen Nachbarschaft willkommen fühlt, zieht ganz sicher lieber in Ihre Immobilie ein.

Sie haben weitere Ideen, wie sich Anwohner sinnvoll in Planungsprozesse einbeziehen lassen? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare!

Herzlichst,
Ihre Linda Thielemann

Ein Kommentar zu „Neue Wohnungen, unzufriedene Nachbarschaft – muss das sein?

  1. Michaela

    Hallo,

    danke für den Artikel. Ich bin auch, der Meinung, dass ein Mitspracherecht bei Immobilien von Vorteil ist. Unser Vermieter hat dazu eine Mietersprechstunde eingerichtet um genau solchen Bedenken vorzubeugen.

    Antworten

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