Wie man einen Architekten wie Helmut Jahn nach Chemnitz bekommt

Nichts gegen Chemnitz, aber dies ist nicht unbedingt die Stadt, in der sich die Star-Architekten dieser Welt um Bauprojekte reißen. Dies dachte sich offenbar auch Dr. Dieter Füßlein, der Geschäftsführer der Sachsenbau Chemnitz, als er sich überlegte, welche Architekten er dafür gewinnen könnte, die Chemnitzer Innenstadt wieder aufzubauen. Einen wollte er auf jeden Fall für ein Projekt gewinnen: Helmut Jahn.

Der gebürtige Deutsche, der nach seinem Studium in München in die USA gegangen war, hatte zuvor vor allem in Städten wie Chicago, New York und Singapur gearbeitet. In Deutschland hatte er vor allem in Frankfurt, München und Berlin städtebauliche Akzente gesetzt. Aber in Chemnitz? Diese Stadt kannte er nicht einmal. In einem Interview erzählte Dr. Füßlein, Jahn habe geglaubt, Chemnitz liege in der Tschechischen Republik, wegen des slawischen Namens. Mir hatte der Projektentwickler den anderen, wie ich finde sehr charmanten Teil der Geschichte erzählt. Füßlein hatte sich in Berlin mit Jahn getroffen und ihm von seinen Immobilienprojekten erzählt. Beide verabredeten sich für einen späteren Zeitpunkt, weil sich Jahn ein Bild vom Ort des Geschehens machen wollte. Füßlein blieb allerdings etwas vage, um welchen Ort es sich handelte. Man verabredete sich zunächst in Dresden. Erst dort erzählte Füßlein dem Stararchitekten, dass die Reise noch weiter, nämlich nach Chemnitz gehe.

Auch wenn Helmut Jahn eigentlich viel lieber in Dresden einen Beweis seines Schaffens hinterlassen hätte, ließ er sich zur Weiterreise überreden und man wurde sich handelseinig. Helmut Jahn sollte ein Kaufhaus bauen, und wie es für dessen Stil üblich war, natürlich ein gläsernes Gebäude. Rasch fertigte er eine Projektskizze an, die mir Dr. Füßlein damals zeigte. Sie stellte das spätere Bauwerk bereits sehr genau dar und ist noch heute auf der Internetseite der Sachsenbau zu sehen.

Neben dem Namen Helmut Jahn verewigte sich in Chemnitz mit der Galerie Roter Turm übrigens der ebenfalls sehr bekannte Düsseldorfer Architekt und Städteplaner Walter Brune, ein bekennender Verfechter lebendiger Innenstädte. Brunes Entwurf für das Shoppingcenter traf allerdings nicht den Geschmack aller Chemnitzer und so entspann sich eine intensive öffentliche Diskussion. Vor allem die Fassade war für viele Kritiker ein Stein des Anstoßes.

Dr. Füßlein reagierte darauf und beauftragte den Berliner Architekten Hans Kollhoff mit einem Fassadenentwurf in Terrakotta. Damit standen sich, wie schon am Potsdamer Platz in Berlin, nun auch in Chemnitz Jahnsche Glas- und Stahlarchitektur und Kollhoffscher Klassizismus unmittelbar gegenüber. Dies vermittelte der sächsischen Industriestadt einen Hauch internationalen Flairs und führte dazu, dass auch andere gefeierte Architekten in Chemnitz tätig wurden, wie der Spanier Josep Lluis Mateo oder Christoph Ingenhoven, der Architekt des umstrittenen Tiefbahnhofs Stuttgart 21.

Sie sehen, es gehört vieles dazu, um ein Projekt, wie den Wiederaufbau einer gesamten Innenstadt erfolgreich zu verwirklichen. Nicht immer steht Geld und Einfluss an erster Stelle. Oftmals muss man einfach zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Leuten auf die richtige Weise reden.

Bald starten wir an dieser Stelle unsere nächste Immo-Novela. Bleiben Sie also dran und schauen Sie wieder rein, Ihr

Detlef Hans Franke

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